DREIFACHKINDERGARTEN WÜRENLINGEN | 1.RANG

DREIFACHKINDERGARTEN WÜRENLINGEN | Projektwettbewerb mit Präqualifikation | 1. Rang

Zeitraum Realisiserung: 2017-2018
Inbetriebnahme: 10/2018
Bauherrschaft: Gemeinde Würenlinegn, AG
Zusammenarbeit mit Christoph Reichen
Landschaftsarchitektur: Johannes Heine & Andrea Ferles
Baumanagement/ Bauleitung: Schneider Spannagel Architekten
Tragwerksplanung: Caprez Ingenieure AG
HLKS-Planung: Mettauer AG
Elektro-Planung: hkg engineering
Visualisierungen: bildbau gmbh
Fotografien: Lukas Murer, Simon Menges

„Von Autos, für Kinder!“
Text von Christoph Ramisch, in abgewandelter Fassung publiziert in der Zeitschrift Hochparterre 04/2019

Gewöhnlich ist man bemüht, Kinder von den Gefahren parkierender Autos fern zu halten. Die Verantwortlichen der Gemeinde Würenlingen gingen den umgekehrten Weg: Sie vereinten beide in einem Wettbewerbsprogramm. Die Herausforderung, den gewünschten Kindergarten mit einer Tiefgarage zu verbinden, entpuppte sich für das Projekt als entscheidender Ideengeber. Bei der Zahl der geforderten Parkplätze erwies sich eine optimierte Anordnung der Stellflächen als unumgänglich. Die daraus resultierenden Stützen der Tiefgarage konnten die Last des Erdgeschosses nicht ausreichend aufnehmen. Um dennoch die maximale Anzahl der Stellplätze sicherzustellen, beschlossen die beiden Zürcher Architekten Malte Kloes und Christoph Reichen, den Kindergarten kurzerhand mit einem Hallentragwerk zu überspannen.
Sechs Ortbetonträger leiten die Dachlasten bis in die Aussenwände der Tiefgarage ab. Ihre unterschiedlichen Abstände definieren die Raumorganisation des Kindergartens. Während die schmaleren Zwischenräume den leichten Holzeinbauten der Toiletten und Materiallager Platz bieten, weiten sich die grösseren Trägerabstände zu stützenfreien Spielhallen aus. Ihrer statischen Belastung folgend, steigt die Höhe der Träger zur Mitte hin an. Am höchsten Punkt gewährt ein Oberlichtband dem tiefen Grundriss zusätzliches Tageslicht. Kreisrunde Öffnungen in den Trägermitten verteilen das Licht über die Gebäudelänge und gestatten den Blick durch das raumbildende Tragwerk. Das Betondach folgt der Geometrie der Träger und bildet an den Längsseiten flachere Nebenzonen. Zum Garten dient diese als gemeinschaftlicher Eingangsbereich. Raumhohe Schiebetüren trennen bei Bedarf die Garderoben der einzelnen Gruppen ab. Strassenseitig finden sie ihr Pendant in den beweglichen Trennwänden, welche die Spielbereiche über Gruppenräume miteinander verbinden können.
Die raumbreiten Fenster der Spielhallen übersetzen den Rhythmus des Tragwerks in die Fassade. Schon von Aussen lassen sie die hohen Innenräume zwischen den grob kannelierten Betonwänden erahnen. Das flach gewalmte Dach mit seiner umlaufenden Titan-Zink-Krempe kaschiert hingegen diesen Eindruck. Nur vage lässt es die Raffinesse der statischen Konstruktion nach Aussen dringen. Dabei ist es vor allem das Tragwerk, welches im Inneren so grosszügige Räume für die Kinder der Gemeinde Würenlingen ermöglicht – den Autos ihrer Eltern sei Dank!